IPA Seminar COPS 2019 in Schweden

Ist es möglich mit vielen verschiedenen Nationen einen internationalen Austausch über Festnahmetechniken, Selbstverteidigung, Erste Hilfe und Vieles mehr zu erfahren?

JA mit der International Police Association und zwar bei dem Event „COPS 2019“ in Schweden.

In dem schönen Ort Uddevalla, ca. 100 km nördlich von Göteborg in Schweden fand vom 25. – 28.04.2019 das Trainingsseminar „COPS 2019“ statt. Organisiert wurde diese Veranstaltung von der IPA Schweden, hier vornehmlich durch Slawomir „Slavo“ Gozdzik und seinen Funktionären.

Ursprünglich war die Veranstaltung auf 40 Teilnehmer begrenzt, aufgrund der hohen Nachfrage und zusammen mit den Funktionären und Ausbildern trainierten in diesen 4 Tagen über 50 Polizeibeamte aus insgesamt 13 Nationen gemeinsam miteinander.

Die deutsche Sektion war mit vier Teilnehmern vertreten.

Trainiert wurde auf dem Trainings,- und Schießgelände der örtlichen Polizei und Feuerwehr von Uddevalla.

Insgesamt gab es acht unterschiedliche Workshops mit folgenden Themenschwerpunkten:

Workshop 1: Human behaviour in stress

Workshop 2: Realistic Ground Tactics

Workshop 3: ESDS/self defence

Workshop 4: Spontanious Knife Defence/Surviving Edged Weapons

Workshop 5: Point Shooting / Using firearms in close distance situations

Workshop 6: Point shooting/Active shooter Program

Workshop 7: First aid

Workshop 8: Arresting Tactics

Nach dem alle Teilnehmer angereist waren und ihre Unterkünfte bezogen hatten, wurde das Seminar in der Polizeistation Uddevalla offiziell durch „Slavo“ Gozdzik und der Präsidentin der IPA Schweden, Frau May-Britt Ronnebro eröffnet.

Im Anschluss an das offizielle Gruppenfoto wurde den Teilnehmern durch einen Vortrag über die Amoktat in Trollhättan im Jahr 2015, unweit von Uddevalla und den damit verbundenen schwierigen polizeilichen Bewältigungsstrategien in Schweden veranschaulicht. Im Anschuss wurden die dort getroffenen polizeilichen Maßnahmen im Rahmen einer regen Diskussion bewertet und analysiert. Dieser Vortrag diente u.a. der Vorbereitung für die praktischen Trainingseinheiten in den folgenden Tagen.

Auf dem Trainingsgelände der Polizei ging es dann am zweiten Tag mit dem ESDS/self defence Training los. Hier wurden verschiede Techniken der Selbstverteidigung gezeigt. Zudem erfuhren wir am eigenen Leib, an welchen Stellen des Körpers, ein „Schlag mit der offenen Hand“ am effektivsten ist.

Der zweite Workshop des Tages nannte sich Realistic Ground Tactics. Es beinhaltete verschiedene Techniken das Gegenüber während eines Bodenkampfes zu bezwingen.

Auf dem Gelände der Feuerwache von Uddevalla wurde uns durch Rob Stenhouse, IPA DTG UK, mit dem First Aid Workshop ein sehr praxisnaher Einblick in die Thematik der Ersten Hilfe gegeben. Was also kann einem im „Ernstfall“ wirklich das Überleben sichern?  Das Versorgen von Schuss,- und Stichwunden, sowie das Anlegen eines Tourniquet konnten durch Rob und seine Unterweisungen an sehr anschaulichen Beispielen geschult werden.

Bei dem letzten Workshop des Tages „Point shooting/Active shooter Program“ wurde es  noch einmal spannend. In einem Bunker unter der Feuerwache erwartete uns Ulf Pettersson, einer der ältesten Schießtrainer Schwedens, mit einem Szenarien- Training. Nach einer kurzen Einweisung an die Dienstwaffe der Schweden, Sig Sauer, wurde mit den sogenannten „Blauwaffen“. Durch Übungen im Bereich der Waffenhandhabung und einer statischen Schießübung wurden Inhalte des Pointshootings verdeutlicht. Zum Abschluss: Erst alleine und anschließend im Streifenteam mussten die Teilnehmer einen flüchtigen Täter nach einem Überfall stellen. Interessant  war es zu sehen, welche unterschiedlichen taktischen Standards in den einzelnen Ländern praktiziert werden, oder auf welchem Level sich die einzelnen Teilnehmer befinden. So war es für einige das erste Mal ein sogenanntes FX-Schießen durchzuführen.

Am nächsten Morgen stärkten sich die Teilnehmer mit einem „english Breakfast“, bevor es mit dem Workshop „Spontanious Knife Defence/Surviving Edged Weapons“ los ging. Da es vermehrt zu spontanen Messerangriffen zum Nachteil von Polizeibeamten kommt, wurde uns mit genau diesem Training eine Möglichkeit gezeigt, einen solchen spontanen Angriff abzuwehren. Wohlweislich wie schwer dies auch ist. Auch machte Rob Stenhouse deutlich und versuchte die Teilnehmer mental darauf einzustellen, dass ein solcher Angriff nie ohne Verletzung für den Polizeibeamten abläuft, sondern es vielmehr um das schnelle Unterbinden des Angriffes geht. Erschreckend war zu hören, wie viele Teilnehmer schon einmal mit einem Messer angegriffen worden sind.

Workshop zwei diesen Tages „Point Shooting / Using firearms in close distance situations“, hatte es vor allem sportlich in sich.  Themen waren unter anderem das Nutzen der Dienstwaffe aus kurzer Distanz, das „Bekämpfen“ des Gegenübers und anschließende bedrohen mit der Dienstwaffe, sowie den verletzten Streifenpartner in einen sicheren Bereich zu bringen und das gleichzeitige bedrohen des Gegenübers mit der Dienstwaffe.

In dem Workshop „Arresting Tactics“ wurde eine neue Festnahmetechnik, welche vorwiegend in Schweden gelehrt wird, erläutert. Bei dieser Technik wird das Gegenüber durch beide Polizisten zu Boden gebracht und anschließend fixiert. Neben den Übungen zu dieser Festnahmetechnik wurden auch weitere Alternativen unter den einzelnen Teilnehmer vermittelt. Auch hier waren die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Länder sichtbar, so dass ein reger Austausch stattfand.

Bei dem abschließenden Workshop „Human behaviour in stress“ wurden verschiedene Übungen durchgespielt. Ziel der Übungen war es, uns unter Stress zu setzen, um anschließend bestimmte Aufgaben zu lösen.  Es war interessant zu sehen, was das Gehirn des Menschen unter Stress noch alles bewältigen kann und wo es an seine Grenzen kommt.

Abgerundet wurde COPS 2019 mit dem abendlichen Galadinner in einem abseits der Stadt liegenden urigen Vereinshaus. Es war ein sehr geselliger Abend mit einem regen Austausch aller Teilnehmer. Der Austausch der Patches und der Kontakte für eine baldige Einladung in die eigene Polizeidienststelle hat natürlich auch nicht gefehlt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass dieses Seminar deutlich gezeigt hat, dass es egal ist aus welchem Land die Teilnehmer kommen, ein starkes „Wir-Gefühl“- „Wir-Polizei“ die Tage geprägt haben. In vielen Gesprächen wurde deutlich, dass in der Zukunft eine Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus immer mehr an Bedeutung gewinnt. Folglich ist es immens wichtig, dass die IPA solche Events mit internationalem Charakter unterstützt. Dieses Event von Polizisten für Polizisten war ein voller Erfolg und jeder konnte für seine eigene polizeiliche Tätigkeit viel mitnehmen.

 

Madeline Baum

Verbindungsstelle  Lippe-Detmold

Tim Gawenda

Verbindungsstelle Osnabrück

 

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