Praktikum mit der IPA in Irland

Im Rahmen des Studiums bei der Polizei NRW wird einem die Möglichkeit geboten im Rahmen des Abschlusspraktikums bei einer anderen europäischen Polizei zu hospitieren. Zusammen mit einem weiteren Kollegen bewarb ich mich daher über die IPA für ein Praktikum in Irland, bei der dortigen Polizei (Garda).

Wir wurden bereits am Flughafen Dublin herzlich empfangen und in das zentral gelegene IPA Haus gebracht. In der darauf folgenden Zeit wurde uns die irische Polizeiarbeit in vielen Facetten näher gebracht. Angefangen von dem Streifendienst, welchen wir eine Schicht lang begleiten durften bis hin zu der Anklage vor Gericht erhielten wir einen umfassenden Einblick und konnten große Unterschiede zwischen der deutschen und der irischen Polizeiarbeit feststellen. Der wahrscheinlich für deutsche Kollegen befremdlichste Unterschied ist, dass ein Streifenbeamter jegliches Delikt welches er aufnimmt auch bis zur Anklage ermittelt und auch als Staatsanwalt vor Gericht fungiert. Daher ist ein Großteil der Arbeit eines Streifenbeamten durch Ermittlungen und Zeit bei Gericht geprägt. Bei der Ermittlungsarbeit stehen dem einzelnen Beamten jedoch verschiedene Dienststellen beratend zur Seite, gerade im Bereich der Kriminaltechnik und Kriminalistik. Bei der Tatortaufnahme kann beispielsweise eine professionelles Team angefordert werden, welches aus einem Fotografen, einem Ballistiker, einem Daktyloskopen und einem Urkundenprüfer besteht. Dieses Team nimmt den Tatort auf und stellt die Ergebnisse im Anschluss dem ermittelnden Beamten zur Verfügung. Einen Tag konnten wir auf der Dienststelle eines solchen Teams verbringen und konnten uns so ein genaues Bild von der Tatortsicherung der Garda machen. Die so zusammengetragenen Spuren werden durch den ermittelnden Beamten ausgewertet und vor Gericht vorgetragen. Dem durften wir auch beiwohnen. Die irischen Gerichte sind in meinen Augen vergleichbar mit den englischen, wobei für einen genauen Einblick jedoch leider nicht genügend Zeit zur Verfügung stand und es sich, wie in Deutschland auch, bei dem Prozessrecht um eine anspruchsvolles und kompliziertes Rechtsgebiet handelt.

Ein ebenfalls für uns befremdlicher Umstand stellte das Nicht-Führen von Schusswaffen dar. Die Guards führen lediglich Schlagstöcke und Pfefferspray mit sich, wobei es über das Land verteilt verschiedene Armed- und Emergency-Respond-Units gibt, welche Schusswaffen mitführen (Zivile Detectives führen ebenfalls Schusswaffen mit). Der sichere Umgang mit dem Schlagstock und Pfefferspray ist daher umso wichtiger und wird regelmäßig trainiert. In Galway konnten wir an einem solchen Training teilnehmen und erlernten diverse Techniken zur Selbstverteidigung und Fesselung von Personen.

Darüber hinaus konnten wir uns mit dem irischen Einsatzleitsystem, dem generellen Aufbau der Garda, der Verkehrspolizei, der Einheit für organisierte Kriminalität und der Produktion einer irischen Version von “Aktenzeichen XY” vertraut machen. Aus alledem konnten wir beide viel für unsere Polizeiarbeit lernen und uns mit einem teilweise anderen Blickpunkt vertraut machen. Wir haben beide das Gefühl einiges davon auch in unsere tägliche Arbeit einfließen lassen zu können.

Abschließend sei auch erwähnt, dass wir viele Freundschaften in Irland knüpfen konnten und uns bereits für einen Besuch im nächsten Jahr angekündigt haben.

Text und Bilder: S. Mainzer