Netherlands On Patrol – Ein Erfahrungsbericht…

Ich hatte die Ehre und das Vergnügen die niederländische Polizei in der Region Limburg eine Woche begleiten zu dürfen.

Organisiert wurde dies über Kollegen und gleichzeitig Mitglieder der ‚International Police Association (IPA)‘-Niederlande. Die IPA ist ein politisch und gewerkschaftlich unabhängiger Zusammenschluss von Angehörigen des Polizeidienstes, ohne Unterschied von Rang, Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache oder Religion. Zudem ist sie die größte Berufsvereinigung der Welt mit annähernd 360.000 Mitgliedern in derzeit 68 Staaten.

Acht weitere Kollegen und Kolleginnen aus der gesamten Welt haben ebenfalls die Möglichkeit bekommen die Arbeit der niederländischen Polizei kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln und diese in ihre Behörde zu tragen. Hierunter Kollegen und Kolleginnen aus Belgien, Dänemark, Island, Nordirland, Polen und Spanien.

Zum ersten Mal traf unsere Gruppe am Montag den 4. April 2022 aufeinander.

  1. Tag

Wie für die Niederlande typisch regnete und windete es bei Ankunft in ein für uns angemietetes Haus in der kleinen Stadt Maasbree. Dies bescherte der Vorfreude aller Kollegen vor Ort aber keinen Abbruch. Zudem stand bereits ein Auto der Verkehrsunfallanalysten der Polizei Limbug-Nord bereit. Ein niederländischer Kollege führte uns in die Arbeitsweise des Verkehrsunfallanalysten ein, hierbei kamen Drohnen, diverse Laptops und Tablets, Lichtmasten und 360 Grad Kameras zum Einsatz.

Zudem wurde uns die Grundausstattung von Polizeibeamten gezeigt. Hierzu zählt eine große Reisetasche auf Rollen. In diesem befindet sich ein Funkgerät, ein Helm, eine Schutzweste, eine Pistole Sig&Sauer, eine MP5 und diverse Schutzausrüstung für den geschlossenen Einsatz. Diese Tasche wird den Kollegen und Kolleginnen bei Beginn in den Dienst ausgehändigt, sodass jeder seine eigenen Einsatzmittel besitzt und für diese zuständig ist. Dies soll ebenfalls Personal bei der Ausgabe und auf den Polizeiwachen sparen.

Nachdem wir unser Haus bezogen hatten wurden wir von Mitgliedern der IPA-Limburg nach Hause zu einem 7 Gänge Menü eingeladen. Hier wurde uns in die Welt der niederländischen Esskultur nähergebracht. Es gab unter anderem Sauerkrautkroketten mit Gin-Mayonnaise und Senfsuppe verfeinert mit Bier. Auf dies Bier wird im Laufe der Woche nochmal genauer eingegangen. Bei dem Essen wurden die ersten Erfahrungsberichte der eigenen Arbeitsweisen der Polizei der Länder bereits umfassend ausgetauscht. Dieser Austausch setzte sich durch die komplette Woche fort, da man die niederländische Polizeiarbeit sehr gut als Vergleich mit einbeziehen konnte.

  1. Tag

Dieser Tag startete mit dem Besuch der Rettungswagen. Diese sind losgelöst von der Feuerwehr und besitzen ihr eigenes Personal und eigene Unterkünfte. Das Personal besteht aus Krankenpflegern/-schwestern. Diese führen u.a. große Mengen an Medikamenten mit sich, die sie ebenfalls verabreichen dürfen.

Im Mittag wurden wir durch die Polizeipräsidentin der Region Limburg, Ingrid Schäfer-Poels, zum Mittagessen eingeladen. In ihrer Ansprache und in den persönlichen Gesprächen, war gut zu erkennen, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit ist. Limburg besitz große Grenzen zu Belgien und Deutschland. Hier werden auch gemeinsame Streifen auf einem Funkwagen besetzt. Somit kann auf jegliche Situation und auch auf jegliche Ausstattung zurückgegriffen werden. Häufig wird ein Hubschrauber aus Deutschland angefordert, da dieser zeitlich einfach schneller vor Ort sein kann.

Im Anschluss besuchten wir die Feuerwehrwache in Venlo. Zu Trainingszwecken für die Feuerwehr und zu unserer Freude konnten wir alle die 32 Meter Drehleiter mitfahren. Hiernach wurde uns die erstklassig ausgestatte und moderne Feuerwehrwache gezeigt.

Als letzter Punkt des Tages stand die Einsatzleitzentrale auf dem Plan. Hier ebenfalls eine sehr gut ausgestattete und moderne Zentrale. Diese Erfahrung zieht sich durch die Woche wie ein roter Faden. Alle Gebäude und die gesamte Ausstattung sind sehr modern und gut auf die Arbeit der Polizei zugeschnitten. Auffällig bei der Einsatzleitzentrale war, dass sowohl die Feuerwehr, die Krankenwagen und die Polizei in einem Raum vertreten sind. Somit sollen nötige Absprachen untereinander schneller durchgeführt und mit weniger Missverständnissen ausgeführt werden.

  1. Tag

Dieser Tag stand komplett im Fokus der Ausbildung von Polizeikräften. Hierzu besuchten wir das Polizeitrainingszentrum in Sevenum. Willkommen geheißen wurden wir von den Hundeführern. Gemeinsam mit einem Teil der Einsatzhundertschaft trainierten wir das Verhalten bei aggressiven Menschengruppen. Hierzu durften wir sowohl den Part der Störer als auch den Part der Polizei übernehmen. Dies in taktsicher Absprache und Zusammenarbeit mit den Diensthunden. Auffällig hier war wiederum, dass die Hundeführer ähnlich wie eine Spezialeinheit, u.a. Schilder mit installiertem Licht besitzen. Zu Trainingszwecken und Kraftdemonstration durften wir uns durch die Hunde in den vorher geschützten Arm beißen lassen. Hiernach stellte sich das niederländische SEK (DSI-Nederland) mit all ihrer Ausrüstung vor. Aus taktischen Gründen wurden wir verpflichtet nicht zu viel zu erzählen, allerdings soll gesagt sein, dass das Arsenal an Robotern, Waffen und Maschinen enorm groß ist, sodass jeder Einsatz, oder jede Panzertür, gelöst und geöffnet werden kann.

Nach einer kleinen Stärkung, bekamen wir die Gelegenheit unsere Schießfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Dies auch mit einer kleinen Faustfeuerwaffe für Zivilkräfte, welche an einem Band im Hosenbund getragen werden kann. Zur Benutzung nimmt man die Waffe in die Hand zieht diese nach oben und eine Sicherungsplatte um den Abzug löst sich. Diese Platte bleibt am Band hängen, sodass sie einfach nach Gebrauch wieder aufgesteckt werden kann. somit ist kein Holster notwendig.

Zum Abschluss erhielten wir ein Einsatztraining durch einen extra angereisten Trainer im Dojo. Hier konnte festgestellt werden, dass alle Kollegen und Kolleginnen ähnliche Kenntnisse haben, allerdings viele Länder um einiges mehr Zeit in das Training fließen lassen. Allein in Limburg ist es verpflichtend sechs Mal im Jahr zu schießen und auch mehrfach im Jahr eine Prüfung abzulegen.

  1. Tag

Da viele von unserer Gruppe zum ersten Mal in den Niederlanden waren, durfte natürlich eine Tour nach Amsterdam nicht fehlen. Hier wurden wir von einem IPA-Mitglied aus Amsterdam empfangen. Dieser führte uns durch Amsterdam mit all seinen schönen Ecken und Plätzen. An dieser Stelle muss dankend erwähnt werden, dass alle Kosten der Reise (Ausnahme Anfahrt), Logi, Touren, Essen etc. durch die IPA Limburg, komplett übernommen wurden. Als Dank, dass wir Amsterdam besucht haben, wurden wir von der IPA-Amsterdam ebenfalls zum Abendessen eingeladen.

  1. Tag

An diesem Tag durften wir endlich einen Tag mit auf Streife. Mit einer spanischen Kollegin startetete ich in die Nachtschicht in Eindhoven mit unserem Streifenführer Aron Muijsenberg. Während der Streife besuchten wir noch die Sicherheitszentrale der städtischen Videoüberwachung. Alle belebten Straßenzüge werden videoüberwacht und das aufgenommen Bild in die Zentrale geleitet, wo rund um die Uhr Mitarbeiter die Geschehnisse überwachen und bei Bedarf an die Polizei weiterleiten. Der Streifenwagen unterschied sich besonders in der installierten Abfragetechnik. Jeder Streifenwagen besitzt mehrere Bildschirme für eine direkte Abfrage von Personen und Autokennzeichen. Hierzu befindet sich eine Tastatur auf dem Funkwagen, sodass das gesamte System ohne Probleme von einer Person bedient werden kann. Ebenso erleichtert ein persönliches Diensthandy alle Abfragen. Das Handy darf von jedem Mitarbeiter mit nach Hause genommen werden. Eigens entwickelte Apps zur Abfrage, Erstellen von Ordnungswidrigkeiten via abscannen von Autokennzeichen, erleichtern das Arbeiten enorm. Die Daten die abgefragt und angezeigt werden sind um einiges ausführlicher als die mir bekannten. Hier spielt laut der Aussage der niederländischen Polizei der geringere Datenschutz eine große Rolle. Die Nacht bot alles was eine größere Stadt, aus polizeilicher Sicht, anzubieten hat. Körperverletzungen, Verkehrsunfälle mit Verletzten, Sachbeschädigung und natürlich viele Streitigkeiten aufgrund von Alkohol. In den Niederlanden muss nicht bei jeder Kenntnis einer Straftat eine Strafanzeige gefertigt werden, dies obliegt oftmals den geschädigten und involvierten Personen. Es ist festzuhalten, dass die Ausstattung um einiges hochwertiger und ausgereifter für die Polizeiarbeit ist. Allerdings besitzen die örtlichen Polizeistationen weniger Mitarbeiter.

  1. Tag

Wie am Anfang bereits erwähnt komme ich nochmals auf das Bier zu sprechen. Genauer das Bier der Marke Herzog Jan. Nach den sehr vollen Tagen, besuchten wir die Herzog Jan Brauerei. Eine Verköstigung am Ende durfte natürlich nicht fehlen. Der perfekte Zeitpunkt sich über die gemeinsame Streife mit den anderen Kollegen und Kolleginnen auszutauschen.

  1. Tag

Am letzten Tag vor der Abreise besuchten wir noch die niederländische königliche Militärpolizei (Nederlandse Koninklijke Marechaussee). Diese führte Grenznah eine Kontrolle ausländischer Kraftfahrzeuge durch und kontrollierte ob ein korrekter Kraftstoff getankt wurde und ob alle Papiere ihre Richtigkeit hatten. Hier konnten wir abermals Unterstützen, da einige Kraftfahrer nur deutsch, polnisch oder spanisch reden konnten. Auch hier zeigte sich wieder, wie wichtig eine gute Durchmischung eines Teams ist und jeder seine Stärken einbringen kann. Nachdem die Hubschrauberstaffel mitbekommen hatte, dass ausländische Kollegen und Kolleginnen bei der Kontrolle unterstützen, landeten diese auf einer nahen Wiese, damit wir uns den Hubschrauber noch anschauen konnten.

  1. Tag

Am Tag der Abreise hieß es natürlich Abschied nehmen. Dies fiel allen nach der Woche besonders schwer. Verbunden durch die Erlebnisse und unsere Passion zum Beruf sind Freundschaften entstanden. Die nächsten Treffen sind bereits in Planung, sodass wir uns in naher Zukunft wiedersehen werden.

An dieser Stelle muss ein riesen Lob an die Organisatoren der Woche ausgesprochen werden. Ein unglaubliches Ereignis was Menschen aus der ganzen Welt zusammengebracht und zusammengeschweißt hat. Diese Erfahrung zeigt wie wichtig ein gutes Miteinander und wie wichtig die internationale Zusammenarbeit ist. Freundschaften fürs Leben sind entstanden. Die Menschen in den Niederlanden sind unglaublich gastfreundlich und haben alles ermöglicht. Wie beim Hubschrauber kamen Kollegen und Kolleginnen spontan vorbei um zu hören wie uns das Land gefällt und um zu zeigen wie sie polizeitechnisch ausgestattet sind. Wir alle haben das Land mit mehr Wissen verlassen und gleichzeitig gemerkt, dass wir uns alle doch sehr viel näher sind als wir gedacht haben. Gerade das ist in der heutigen Zeit unbeschreiblich wichtig damit die bestehenden Probleme gemeinsam gelöst werden können.

 

(Text + Bilder: H. Leusder)