Ein Hilfstransport als Road-Tripp von Bensheim in die Ukraine

Die Verbindungsstelle Bergstraße der International Police Association überführte einen Rettungswagen in die Ukraine

Als die Anfrage von IPA Deutschland Präsident Oliver Hoffmann einging, einen ausgemusterten Rettungswagen in die Ukraine zu überführen, mussten Jupp Simon und David Weiser von der IPA Bergstraße aus Bensheim nicht lange überlegen. Auf den ersten Blick wirkte das einmalige Angebot mit rund 1.800 Kilometer zwar verrückt, traf aber genau den Geschmack der beiden aktiven Polizeibeamten des Bensheimer Vereins.

Schließlich sagten die beiden Polizeibeamten zu und tauschten den Streifen- mit dem Rettungswagen. Dieser war im Mai zum symbolischen Preis von einem Euro vom Roten Kreuz des Odenwaldkreises an die IPA Deutschland verkauft worden. Im Anschluss wurde er vom Präsidium Technik, Service und Logistik der Polizei Baden-Württemberg auf Herz und Nieren geprüft. Zudem wurde er mit wichtigen medizinischen Geräten aufgerüstet. Nachdem auf Bundesebene die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen und Absprachen getroffen wurden, konnte es Ende Juli endlich losgehen. Simon und Weiser brachen auf und folgten damit dem dringenden Hilferuf der ukrainischen Region Khmelnytskyi. Die nördlich von Odessa gelegene Region war dringend auf den Rettungswagen angewiesen, der verletzte Personen in das örtliche Krankenhaus transportieren soll.

Verabschiedet wurden die beiden Ehrenamtlichen von Stadtrat Adil Oyan und rund 180 geflüchteten Ukrainerinnen und deren Kinder. Diese besuchten eine von der IPA Bergstraße unterstützte kostenlose Kino-Veranstaltung im Bensheimer LUXOR-Kino. Die rund 1800 Kilometer lange Überführung teilte sich in 3 Etappen auf. Die erste Fahrt erfolgte von Bensheim nach Passau, die mit 420 Kilometer zum „eingewöhnen“ wirke. Im Anschluss folgte die Fahrt nach Baia Mare (Rumänien), die mit insgesamt 920 Kilometern das größte Teilstück darstellte und dabei 3 Grenzübertritte beinhaltete.

Diese wurden, dank der länderübergreifenden Absprachen und der hervorragenden Organisation, ohne Problem passiert. Die letzte Etappe führte durch malerisch wirkende rumänische Dörfer. Die kurvenreiche Strecke über die Ausläufer der Karpaten stellte neben der Herausforderung für die Fahrer und den Rettungswagen das Highlight des „Road-Trips“ dar. Trotz der wunderschönen Landschaft galt die Aufmerksamkeit der Straße, die teilweise herausfordernde Verhältnisse oder auch querende Kühe beinhaltete. Begleitet durch rumänische Polizeibeamte und IPA-Freunde erfolgte sodann in Siret der Grenzübertritt in die Ukraine. Hier wurde der mit weiteren medizinischen Hilfsgütern, gespendeten Polo-Shirts und weiteren Hygieneartikeln beladene Rettungswagen an die ukrainischen Kollegen übergeben.

Neben vielen länderübergreifenden Kontakten erhielten Simon und Weiser eine Urkunde, bevor sie von rumänischen IPA-Kollegen nach Bukarest gefahren wurden. Im Rahmen des eintägigen Aufenthaltes konnten sie die Landeshauptstatt kennenlernen, bevor der Rückflug nach Frankfurt folgte. „Dienen durch Freundschaft, dass ist der weltweite Leitgedanke unseres Vereins und gleichzeitig der Antrieb, warum wir uns immer wieder ehrenamtlich einbringen“, erklärten Simon und Weiser. Dabei ernteten sie Lob und Anerkennung von IPA-Deutschland-Präsidenten Oliver Hofmann, der die Rückmeldung der ukrainischen Kolleginnen und Kollegen übermittelte: „Wir danken unseren Freunden für die so wichtige Unterstützung und die Überführung des Rettungswagens, der in diesen schweren Zeiten von unsäglicher Bedeutung ist“. Simon und Weiser haben die Eindrücke zur einmaligen Überführung in einem Video auf der Vereinshomepage www.ipa-bergstrasse.de eingestellt.

(Bilder + Text: D. Weiser)