Hospitation in den USA

Nach langen Vorbereitungen und zweijähriger Coronapause war es am 18.07.22 dann endlich soweit, ich bestieg meinen Flieger nach San Francisco. Vor mir lag eine dreiwöchige Hospitation. In dieser nahm ich mir vor, einiges an Erfahrungen mitzunehmen die für mich persönlich sowie für meine Kollegen in Deutschland nützlich sein können, mit den dortigen Kollegen ins Gespräch zu kommen. Land und Leute besser kennen lernen, ein lohnendes Ziel.

Nach meiner Ankunft wurde ich am Flughafen von dem dortigen IPA-Verbindungsstellenleiter Calvin Chow in Empfang genommen. Von dort ging es direkt in das kleine Städtchen Colma, ein Stadtteil San Franciscos, zum Haus meiner Gastfamilie. Dies sollte für die nächsten Wochen mein zu Hause sein. Ich wurde dort gleich zu Beginn herzlich aufgenommen und fühlte mich schnell wie ein Teil der Familie.

Streifenfahrzeug Highway Patrol

In San Francisco angekommen stand für mich einiges auf dem Programm. Am ersten Tag meiner Ankunft bekam ich durch Calvin Chow und seiner Frau eine Stadtführung. Nach einem Mittagessen in Chinatown und einem Besuch im ältesten Cookiestore der USA, dem Golden Gate Cookie Store, stand im Mittelpunkt: Downtown, der Hafen von San Francisco mit seinem berühmten Geschäftsviertel Fisherman’s Wharf, der Alamo Square, die Lombard Street u.v.m. Darauf folgten in den weiteren Tagen die Besichtigung des PD San Franciscos und Streifenfahrten bei den Dienststellen der Highway Patrol (Bay Bridge), Colma Police, Broadmoor Police, sowie eine Mitfahrt bei den Park Rangers. Da ich hier in Deutschland bei der Autobahnpolizei Dresden meinen Dienst verrichte, war eine Mitfahrt bei der Highway Patrol für mich zum einen Pflicht zum anderen natürlich auch ein Highlight in meiner Hospitation. In San Francisco direkt befinden sich zwei Dienststellen, diese umfassen 24 Fahrzeuge, 10 Motorräder und zwei Hubschrauber. Diese werden auch zur Unterstützung des SFPD eingesetzt, da keine zur eigenen Verfügung stehen.

Innenansicht eines Fahrzeugs der Highway Patrol

In allen Dienststellen zeigte man sich mir gegenüber freundlich, offen und zugänglich. Nach Absprache konnte ich in jeder Dienststelle Fotos und Videos, auch während den Streifenfahrten, fertigen (mit Ausnahme der Park Rangers). Ich bekam jede Dienststelle allumfassend gezeigt und man war bemüht mir alle Fragen zu beantworten. Die Beamten zeigten sich mir gegenüber sehr motiviert und engagiert! Umso mehr überraschte es mich, als ich in einem Gespräch mit Calvin erfuhr, dass die Moral und Motivation der Beamten in San Francisco auf einem solchem Tiefpunkt sind, wie sie es die Stadt noch nie erlebt hat. Durch den Tod George Floyds im Jahre 2020, stand die Polizei in den USA auf dem Prüfstand und vielerorts wurde die Polizei komplett umstrukturiert. Zudem wurden massiv Finanzmittel gekürt, was auch einen hohen Stellenabbau zur Folge hatte. Zusätzlich brachte die Pandemie einen erheblich Kriminalitätsanstieg mit sich, sodass viele Beamte ihren Dienst quittierten oder aus der Stadt in ländliche ruhigere Bereiche zogen. Derzeit seien, so gab Calvin an, ca 600 Stellen unbesetzt. Auf Grund der gestiegenen Kriminalität trägt Calvin selbst immer eine Waffe bei sich.

Streifenfahrzeug Colma Police

In den Tagen zwischen meinen Mitfahrten bekam ich noch die Gelegenheit Twin Peaks, Alcatraz und Angel Island zu besuchen, sowie am San Francisco Marathon teilzunehmen. Für mich ein langersehnter Wunsch und eine Gelegenheit die Stadt noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die Marathonstrecke die sich unter anderem über die Golden Gate Bridge und durch den Golden Gate Park erstreckt ist einfach traumhaft und ich kann diese nur jedem begeisterten Marathon-Läufer empfehlen!

Zudem stand auch ein Ausflug nach LA auf dem Programm. Nach einer Tagestour über den Highway 01, wurde ich dort am darauffolgenden Tag von einem Kollegen des LAPD in Empfang genommen. In LA kam ich in den Genuss eine von zwei Police Academy‘s zu besuchen. Im Gespräch mit den dortigen Polizeianwärten erstaunte mich, dass diese in der Tat, wie man es aus dem TV kennt, nur eine sechsmonatige Ausbildung bzw. Training genießen. In Deutschland ist hingegen eine dreijährige Ausbildung bzw. ein dreijähriges (Bachelor-) Studium üblich. Danach besuchten wir noch eine Dienststelle und die Hubschraubstaffel (Air Support Division) des Los Angeles Police Departments. Diese zur Verfügung stehenden 18 Helikopter decken die Bereiche Streifenflug (15 Helikopter), Trainingsflug (2 Helikopter) und den Bereich SWAT-Einheit (1Helikopter) ab. Damit ist sie die größte städtische Polizeifliegereinheit der USA. Die Einheit operiert und betreibt zudem mit dem Hooper Memorial Heliport den größten Dachlandeplatz der USA.

Was mir und auch anderen Kollegen bei Besuchen in den USA besonders auffiel, die Ehrung der gefallenen und verstorbenen Kollegen erfährt ein ganz anderes Ausmaß als das es in Deutschland der Fall ist. In jeder Dienststelle finden sich Vertäfelungen, Fotografien und Gravuren für die im Dienst verstorbenen Kollegen. Die besuchte Dienststelle in LA besaß sogar am Haupteingang einen eigenen Walk of Fame für die im Dienst verstorbenen Kollegen.

Zum Abschluss der Hospitation haben wir uns noch in einem offiziellen Rahmen am Rathaus in Colma getroffen. Im Zeichen des IPA Gedankens, Dienen durch Freundschaft, wurden noch kleine Geschenke zur Erinnerung an diese Reise ausgetauscht.

Fazit: Das Dienstgeschäft, welches ich im persönlichen Gespräch mit den Kollegen vor Ort und durch persönliche Eindrücke erlebte, verhält sich soviel anders, als man es aus Filmen kennt und dennoch ist die Arbeit oft ähnlicher und die Unterschiede geringer als erwartet. Ein wunderbares Erlebnis, wofür ich den Kollegen in den USA sehr dankbar bin. Der IPA Verbindungsstelle Dresden möchte ich für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Hospitation danken. Auf ein Neues!

(Fotos + Text: Tim S.)