IPA Deutschland

International
Police Association

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„ICH KANN DIE WELT EIN BISSCHEN BESSER MACHEN“

DAS FRIEDLICHE ZUSAMMENLEBEN ZWISCHEN DEN VÖLKERN ZU UNTERSTÜTZEN, IST EINES DER ZIELE, DIE SICH DIE „INTERNATIONAL POLICE ASSOCIATION“ (IPA) GESETZT HAT. WAS FREUNDSCHAFTLICHE BANDE BEDEUTEN KÖNNEN, HAT POLIZEIOBERKOMMISSAR CHRISTIAN HECKENS BERUFLICH WIE PRIVAT SCHON HÄUFIG ERLEBT.

„Wir sind da, wenn Sie uns brauchen“ – ein kraftvolles Statement, mit dem Christian Heckens bei seiner Rede im Kaisersaal des Frankfurter Römer ein Zeichen setzte. Der feierliche Empfang vor vielen Ehrengästen Ende August galt 14 Polizisten aus zwölf Nationen.
Allesamt Mitglieder der „International Police Association“ (IPA), die der Polizeioberkommissar im Namen der IPA Frankfurt zu einem mehrtägigen Besuchsprogramm – mit Ausflug nach Rüdesheim und zur Fliegerstaffel nach Egelsbach – eingeladen hatte. Beim Museumsuferfest begleiteten sie in ihren jeweiligen landestypischen Uniformen die deutschen Kollegen auf Streife am und auf dem Main.
„Der Spirit der IPA-Freunde ist ein ganz besonderer“, weiß Heckens, der sich seit 13 Jahren für diese weltweit größte Berufsvereinigung einsetzt. Über 360.000 aktive oder ehemalige Polizeibedienstete aus 69 Staaten gehören dazu; gegründet wurde die IPA 1950 durch den britischen Polizeibeamten Arthur Troop. Ihm ging es darum, freundschaftliche Verbindungen herzustellen und die globale Zusammenarbeit von Polizeiangehörigen zu fördern. Auch sollte das öffentliche Ansehen der Polizei verbessert werden. Passenderweise ist das Motto der IPA auf Esperanto formuliert: „Servo per Amikeco“, also „Dienen durch Freundschaft“.
Bereits 37 Jahre lang engagiert sich Jürgen Linker, Landesgruppenleiter der IPA Hessen, für die humanitären und internationalen Ziele des Vereins. Seit 1955 gibt es den IPA Deutsche Sektion e.V. mit rund 54.000 Mitgliedern, die von Veranstaltungen und Fortbildungen profitieren. Die hessische Landes -organisation umfasst etwa 4700 Mitglieder und 20 Verbindungsstellen, darunter eine in Frankfurt, die seit 1959 besteht und der rund 850 Polizeibedienstete angehören. Generell sei eine ganzheitliche Betrachtung wichtig: „Wir sehen die Menschen mitsamt ihrer Familie und Freizeitaktivitäten, und das versuchen wir auch bei den Events zu präsentieren.“ Den 69-Jährigen beeindrucken daher besonders die interkulturellen Kontakte und Treffen wie jetzt im August: „Gerade für die jüngere Generation ist das toll, Einblicke in den Berufsalltag der Kollegen zu bekommen und sich über die professionellen Erfahrungen persönlich auszutauschen. Daraus resultiert ja auch ein ganz anderes Verständnis für deren Kultur und Arbeitsab-läufe.“

Für Heckens war ein Urlaub auf Malta wegweisend, bei dem er Zugang zum Polizeipräsidium in Valletta bekam und mit Kollegen Abzeichen tauschte: „Das schafft sofort ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl. Sowieso braucht man auf Reisen häufig nur seine IPA-Karte zu zücken, und dann geht eine Tür auf; es entsteht direkt eine ganz andere Vertrauensebene.

Wenn man Hilfe braucht, kann man sich jederzeit auf seine IPA-Freunde verlassen.“
So gab es für den 40-Jährigen im vorigen Jahr auch kein Zögern, sich für die Ukraine-Flüchtlinge einzusetzen. Zwar sei die IPA politisch neutral, aber Solidarität mit den ukrainischen Kollegen zu bekunden, selbstverständlich. „Unser Ziel ist ja klar: das friedliche Miteinander der Völker
zu unterstützen. Da ich immer gerne neue Wege gehe, hatte ich die Hilfsorganisation ‚Ukraine Air Rescue‘ kontaktiert und bin mit denen rüber geflogen, um vor Ort Spenden auszuhändigen.“ Auch die Zusammenarbeit mit dem „Frankfurt for Ukraine“-Team und die Lieferung von Hilfsgütern verliefen erfolgreich, nachdem Heckens den Kontakt aufgebaut hatte. „Dank des unschlagbar guten IPA-Netzwerks kriegen wir in kurzer Zeit gewuppt!“

INTRINSISCHE MOTIVATIONINTRINSISCIONINTRINSISCHE MOTIVATION

Letztlich waren es dann vier Transporte an die polnisch- ukrainische beziehungsweise rumänisch-ukrainische Grenze, für die er und zwei Kollegen über drei Wochen Urlaub investierten. „Zuvor war ich – auf eigene Kosten – durch ganz Hessen gefahren und hatte Medikamente eingesammelt. Auch von Seiten der IPA Deutschland wurden wohl Waren im Gesamtwert von 100.000 Euro gespendet.“ Auf dem Rückweg eines dieser Hilfstransporte mit einem Reisebus konnten 44 Flüchtlinge vom polnischen Chelm nach Dresden gebracht werden. „Wir bekamen sofort Unterkünfte bereitgestellt und auch Essensspenden, sicherlich in erster Linie aufgrund des guten Rufs, den wir genießen.“ Zum Dank wurden er und seine Kollegen von der IPA Hessen mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Nicht nur bei den zwischen-menschlichen Kontakten, sondern auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit ist Heckens Profi: „Gerade in den sozialen Medien ist es wichtig, eine gewisse Aufmerksamkeit zu generieren, daher informiere ich auf dem Instagram-Account der IPA Frankfurt regelmäßig darüber, was wir tun. Damit kann ich auch zeigen, wie wir das Geld und die Geschenke einsetzen, und auf einer unserer Hilfsfahrten habe ich quasi live Bilder gepostet und unsere Standorte übermittelt, um es möglichst transparent zu machen.“

Dem gebürtigen Rheinhessen wurde die Liebe zu seinem Beruf in die Wiege gelegt, denn sein Großvater war Schutzmann beim Polizeirevier in Mainz-Kastel. Zwar absolvierte er erstmal eine Ausbildung bei der Stadt Mainz und ging für acht Jahre zur Bundeswehr, doch dann zog es ihn unwiderstehlich zur Polizei. Aktuell ist er bei der Verkehrsüberwachung im Mertonviertel tätig, aber auch Frontex-Einsätze in Bulgarien und Albanien gehören zu seiner Vita. „Gerade weil er schon häufig im Ausland war und so viel gesehen und erlebt hat, ist sein Horizont ganz anders geprägt als bei einem Berufsanfänger“, findet Linker lobende Worte über seinen Kollegen, den er als „Aushängeschild“ der IPA bezeichnet.

Mit seiner offenen, verbindlich-empathischen Art und einem wachen Auge und Ohr für seine Mitmenschen konnte der Polizeioberkommissar schon einige Male Entscheidendes bewirken. Anfang Juni wurde er gar zum Lebensretter, als er den fünfjährigen Sohn der ukrainischen Nachbarin, die ihn nachts verzweifelt aus dem Schlaf klingelt, letztlich erfolgreich reanimiert. Seine Erfahrung aus 15 Jahren ehrenamtlichem Sanitätsdienst bei den Maltesern und sein beruflich bedingtes „Funktionieren“ halfen ihm dabei. Dennoch bringt ihn dieses Ereignis gehörig aus dem Gleichgewicht. Bei der Verarbeitung findet er auch vierbeinige, schnurrende Unterstützung – hat er doch damals in Bulgarien eine einäugige Findelkatze gerettet, aufgepäppelt und mitgenommen. „Tiere suchen sich halt ihre Menschen aus, und sie ist jetzt mein Herzenstier“, meint Heckens dankbar und gönnt ihr unter „fronti_the_policecat“ einen eigenen Instagram-Account.

Als passionierter Jäger – „ich kann mein eigenes Essen erlegen und koche für mein Leben gern“ – fühlt er sich eben mindestens genauso dem Tierschutz verpflichtet. Eine Herzensangelegenheit war ihm auch ein 2017 gemeinsam mit seinem besten Freund gegründeter Verein, der dazu diente, mehrtägige Segeltörns auf einem „Haikutter“ anzubieten. „Während er gesteuert hat, war ich Smutje und wurde als Bootsmann angelernt“, erzählt der 40-Jährige wehmütig. Denn Corona machte allen weiteren Plänen und Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung; vor einem Jahr nahm sich der Freund das Leben. „Zur Polizei geht man ja zumeist aus Überzeugung und Berufung, und man kann sich natürlich den Weltfrieden wünschen, doch wir sind da nicht kriegsentscheidend. Ich
weiß, dass ich die Welt nicht retten – aber sie um mich herum ein bisschen besser machen kann.“
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