Hospitation beim Vancouver Police Department – Einblicke in die Polizeiarbeit an der kanadischen Westküste
Im Rahmen meines Polizeistudiums erhielt ich die besondere Möglichkeit, eine dreiwöchige Hospitation bei einer ausländischen Polizeibehörde zu absolvieren. Diese Chance konnte ich dank der Unterstützung meiner Englisch-Dozentin sowie der IPA Deutschland realisieren. Durch ihre Vermittlung und Begleitung wurde mir ein Platz im internationalen Austauschprogramm des Vancouver Police Department (VPD) ermöglicht – eine Erfahrung, die sich als außergewöhnlich wertvoll erwies.
Die Hospitation begann am 2. Juni mit einer offiziellen Begrüßung, organisatorischen Einweisungen und einer Präsentation über das kanadische Polizeisystem. Anschließend erhielt ich eine Tour durch Vancouver und einen Besuch der E-Comm-Leitstelle, dem zentralen Notruf- und Einsatzkommunikationszentrum. Ein besonderer Moment war die kurze Begegnung mit dem neuen Chief Constable, der erst wenige Tage zuvor sein Amt angetreten hatte.
Am zweiten Tag lernte ich die Hauptgebäude des VPD kennen und erhielt erste Einblicke in Ermittlungsarbeit, Risikomanagement und die Vorbereitung auf Großlagen. Besonders beeindruckend war die Darstellung der Ermittlungen nach einem tragischen Vorfall, bei dem ein Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren war.
Am dritten Tag begleitete ich einen Kollegen der Verkehrsüberwachung zunächst vor Gericht und anschließend auf einer Streifenfahrt. Dabei konnten wir zahlreiche Verkehrsverstöße feststellen.
Der vierte Tag war geprägt von kriminalpolizeilichen Schwerpunkten: der Internet Child Exploitation Unit, dem Umgang mit High-Risk-Offenders sowie Fällen häuslicher Gewalt. Den Abschluss der ersten Woche bildete der Besuch der Marine Unit. Bei perfekten Wetterbedingungen durfte ich an einer ausgedehnten Bootsfahrt durch den Hafen, die Buchten und fjordähnlichen Küstenabschnitte teilnehmen – ein eindrucksvolles Erlebnis, das die einzigartige Lage Vancouvers widerspiegelte.
Die zweite Woche begann mit einer Nachtschicht bei der Gang Crime Unit. Dort erhielt ich einen realistischen Einblick in die nächtliche Polizeiarbeit und den Umgang mit Bandenstrukturen. Am darauffolgenden Tag widmete ich mich der Arbeit der Forensic Identification Unit, wo ich sowohl theoretische Einblicke als auch praktische Übungen in der Spurensicherung absolvieren durfte. Im Anschluss erhielt ich ausführliche Darstellungen zweier großer Drogenermittlungen.
Am 12. Juni lernte ich die Abläufe der Vehicle Interdiction „Pipeline“ kennen. Danach folgte eine exklusive Führung durch das Vancouver Police Museum, bei der mir historische Einsatzmittel, besondere Fallakten und polizeiliche Archivbestände präsentiert wurden.
Am 13. Juni begleitete ich ein Team des District 1 auf einer lebhaften Streifenfahrt durch Downtown Vancouver. Für den 14. Juni war ein Besuch des Emergency Response Team (ERT) vorgesehen, der jedoch aufgrund eines akuten Einsatzes abgebrochen werden musste. Stattdessen erhielt ich eine ausführliche Führung bei der K9-Einheit, inklusive einer beeindruckenden Trainingsvorführung.
Die letzte Woche begann mit einem Besuch des Tactical Training Centre. Dort durfte ich verschiedenste Trainingsbereiche, Szenarien und Führungsmittel kennenlernen. Besonders faszinierend war das TASER-Training der neuen Rekrutinnen und Rekruten. Anschließend besuchte ich die Mounted Squad im Stanley Park, wo ich umfassende Einblicke in die Ausstattung, Arbeitsweise und Ausbildung der Reiterstaffel erhielt.
Am 18. Juni folgte ein weiteres Ride-Along. Diesmal mit dem Beat Enforcement Team (BET). Besonders bedeutsam war dieser Tag für mich, da ich die Schicht meines Host begleiten und direkt mit ihm mitfahren konnte. Der Einsatz führte uns in den Downtown Eastside, das wohl herausforderndste Gebiet Vancouvers. Die Intensität der sozialen Problemlagen und die Belastung der dort eingesetzten Kräfte hinterließen einen tiefen Eindruck und machten diesen Tag zu einem der prägendsten meines gesamten Aufenthalts
Der letzte Tag stand im Zeichen des Recruiting. Bei der zuständigen Einheit tauschten wir uns über Personalstrategien, Ausbildung und Nachwuchsgewinnung aus. Im Anschluss folgten die Abschlussrunde und die feierliche Übergabe meines Zertifikats – ein würdiger Abschluss drei außergewöhnlicher Wochen.
Während meines gesamten Aufenthalts wohnte ich bei einer jungen Polizeifamilie des VPD. Die herzliche Aufnahme, gemeinsame Unternehmungen und der private Austausch machten meinen Aufenthalt besonders wertvoll. Die Familie integrierte mich vollständig in ihren Alltag und nahm mich zu Aktivitäten, Ausflügen und privaten Veranstaltungen.
Dadurch konnte ich die Stadt Vancouver und ihre beeindruckende Umgebung nicht nur in meiner Freizeit erkunden, sondern auch aus der Perspektive echter Einheimischer erleben. Diese Nähe ermöglichte mir kulturelle und soziale Einblicke, die weit über den beruflichen Rahmen hinausgingen und meinen Aufenthalt zusätzlich bereicherten.
Die Hospitation beim Vancouver Police Department war für mich eine außerordentlich bereichernde Erfahrung – beruflich wie persönlich. Die Offenheit der Kolleginnen und Kollegen, die Vielseitigkeit des Programms und die Einblicke in Streifendienste, Ermittlungsarbeit und Spezialkräfte haben meinen Blick auf internationale Polizeiarbeit nachhaltig erweitert.
Besonders hervorheben möchte ich die große Mühe, die sich das VPD bei der Planung und Durchführung meines Aufenthalts gemacht hat. Der gesamte Zeitplan war äußerst flexibel gestaltet und wurde täglich an aktuelle Lageentwicklungen angepasst. Häufig wurde ich von den zuständigen Kolleginnen und Kollegen sogar direkt von zu Hause abgeholt und nach Dienstende wieder zurückgebracht. Zudem stand mir während des gesamten Programms ein fester Ansprechpartner zur Seite, der sicherstellte, dass alle Abläufe reibungslos funktionierten und ich jederzeit bestens betreut war.
Ich kann allen Kolleginnen und Kollegen eine Teilnahme an einem internationalen IPA-Austauschprogramm wärmstens empfehlen. Der fachliche und persönliche Gewinn ist enorm, und die Begegnungen bleiben weit über die Hospitation hinaus in Erinnerung.
Mein besonderer Dank gilt abschließend meiner Englisch-Dozentin sowie der IPA Deutschland. Ohne ihre Unterstützung, Motivation und organisatorische Hilfe wäre diese einzigartige Erfahrung nicht möglich gewesen.