International Police Association – Deutschland

Linksverkehr, Lincoln und Lincolnshire Police – Ein unvergesslicher IPA-Austausch

Hospitationsbericht – Lincolnshire Police, England

Im Rahmen meines Studiums bei der bayerischen Polizei hatte ich die Möglichkeit, ein zweiwöchiges Praktikum über die IPA bei der Lincolnshire Police in England zu absolvieren. Hauptsächlich war ich in der Lincoln Police Station, in „South Park“, eingesetzt. Darüber hinaus durfte ich auch das Headquarter der Behörde besichtigen.

Meine Bewerbung für mein Praktikum hatte ich bereits Anfang 2025 gestellt, bis schließlich im Oktober mir Colin Clarkson, von der Lincolnshire Police Station schrieb, dass er für mich zuständig sei. Mit Colin hatte ich im Voraus mehrere Videotelefonate, sodass wir uns kennenlernen und Colin ein passendes Programm für meine Zeit in England erstellen konnte. Bis zu meiner offiziellen Zusage musste ich jedoch noch etwas warten, da meine Hochschule ebenfalls dem Praktikum zustimmen musste.

Ich war sehr glücklich, als Chris Morgan, ein bereits pensionierter Kollege, der Mitglied der IPA in Lincoln ist, mit mir telefonierte und mir mitteilte, dass er eine Unterkunft für mich organisiert hätte und ob ich dort unterkommen wollen würde.

Für meine Zeit in England wohnte ich bei einer ehemaligen Kollegin von Chris, die meinen Aufenthalt besonders persönlich und herzlich machte. Ich bekam neben meiner Erfahrung bei der Lincolshire Police einen intensiven Einblick in den englischen Alltag und durfte bei gemütlichen und lustigen Abenden mit Familie und Freunde dabei sein.

Anreise und Einblicke in verschiedene Fachbereiche:

Meine Reise begann mit einem Flug nach London, da dies die kostengünstigste Variante war. Von dort holte ich meinen Mietwagen ab, denn Lincoln ist eine eher ländliche Gegend und der öffentliche Nahverkehr sei laut den Kollegen nicht gut ausgebaut.

Trotz ungewohnten Linksverkehr kam ich schließlich nach über 3 Stunden Autofahrt in Lincoln an und erblickte sogleich die herausragende Kathedrale von Lincoln, die hoch auf einem Hügel thront.

Headquarter und Hundestaffel:

Am ersten Vormittag wurde ich im Headquarter von Colin Clarkson sowie Chris Morgan herzlich auf einen englischen Tee empfangen.

Im Anschluss besuchten wir die Armed Police Unit, wobei ich erstaunt darüber war, dass diese bewaffnete Einheit lediglich für besondere Gefahrenlagen vorbehalten ist. Die Kollegen der Einheit zeigten mir ausführlichst wie sie aufgebaut und ausgestattet sind, wobei sie auch sehr interessiert waren, welche Ausrüstung die bayerische Polizei hat.

Auch die Arbeit der Hundestaffel, die ich etwas außerhalb vom Headquater besuchte, war insbesondere im Hinblick der Ausbildung und der Einsatzmöglichkeiten der unterschiedlichen Hunde, spannend zu beobachten.

Protecting Vulnerable People (PVP)

Am zweiten und dritten Tag war ich bei der PVP-Einheit eingesetzt. Dieser Bereich befasst sich insbesondere mit dem Schutz vulnerabler Personen, darunter Opfer häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch oder sexualisierter Straftaten. Ich hatte die Möglichkeit diese Einheit in ihrer Arbeit zu begleiten und hatte zudem wertvolle Einblicke in die Zusammenarbeit mit anderen Behörden und sozialen Einrichtungen, was besonders bemerkenswert war.

Criminal Investigation Department (CID)

Am Donnerstag und Freitag begleitete ich das CID. Hier war ich hautnah bei den Ermittlungen eines aktuellen Falls einer schwereren Straftat dabei und konnte so den Ermittlungsaufbau, die Dokumentation und die enge Zusammenarbeit mit Spezialisten miterleben.

Neighbourhood Policing Team (NHP)

In der darauffolgenden Woche begleitete ich das NHP für zwei Tage. Diese Einheit arbeitet sehr bürgernah und präventiv im jeweiligen Stadtteil. Auffällig war, dass die Kollegen allein im Streifenwagen unterwegs waren und der starke Fokus auf Community-Arbeit gelegt wurde. Wir besuchten zum Teil soziale Einrichtungen und hielten hier über bestehende Probleme Gespräche und bekamen Hinweise. Des Weiteren wurde mir im Counsil das CCTV Headquarter gezeigt, welches für Lincoln über 700 Kameras beinhaltet. Die Angestellten erklärten, wie wichtig dieses Einsatzmittel für die Sicherheit der Kollegen, die größtenteils alleine unterwegs sind, und die Büger ist.

CPD Event:

Am Dienstag durfte ich gemeinsam mit Colin an einem CPD-Event (Continuing Professional Development) teilnehmen. Dabei ging es um fachliche Weiterbildung und den Austausch zu aktuellen Themen, was den hohen Stellenwert kontinuierlicher Fortbildung innerhalb der Polizei deutlich machte. Die Kollegen hatten die Möglichkeit mit ihren Vorgesetzten in den direkten Austausch zu gehen, um so Veränderungen zu bewirken oder Erklärungen zu erhalten.

Response Team

Am Mittwoch und Donnerstag war ich in der Schicht beim Response Team eingesetzt. Dieses ähnelt der klassischen Schicht bei der Schutzpolizei der bayerischen Polizei sehr und ich hatte die Möglichkeit zu sehen, wie hier Einsätze unterschiedlichster Art von den Kollegen abgearbeitet werden. Für mich persönlich war es hier schwer nur der stille Beobachter zu sein, da ich vor meinem Studium im Einzeldienst gearbeitet hatte und gerne den Kollegen in bestimmten Situationen geholfen hätte.

Crime Scene Investigation (CSI)

Meinen letzten Hospitationstag verbrachte ich bei der Spurensicherung. Wir fuhren an diesem Tag nach Boston, um an einem gestohlenen Fahrzeug mit falschen Kennzeichen eine Spurensicherung durchzuführen. Die Arbeit zeigte mir nochmals eindrucksvoll, wie essenziell sorgfältige Tatortarbeit für den späteren Ermittlungserfolg ist und auf welche Kleinigkeiten hier geachtet werden muss.

IPA-Abend:

In meiner ersten Woche organisierten IPA-Mitglieder ein IPA-Essen in einem Restaurant in Lincoln für mich. Der Abend war ausgesprochen herzlich und bot die Gelegenheit zum ausführlichen Austausch in entspannter Atmosphäre. Die internationale Verbundenheit und unglaubliche Gastfreundschaft waren deutlich spürbar. Im Anschluss zum Essen wurde mir die beleuchtete Kathedrale von Lincoln bei Nacht gezeigt.

Persönliches Fazit:

Neben den fachlichen Einblicken war vor allem die außergewöhnliche Gastfreundschaft prägend. Durch meine Unterkunft bei der ehemaligen Kollegin erhielt ich einen authentischen Einblick in das Leben in Lincoln und in die englische Kultur. Die Kolleginnen und Kollegen in sämtlichen Einheiten begegneten mir mit großer Offenheit, Neugierde und Herzlichkeit.

Ein besonderes „Highlight“ war zudem, dass ich jeden Tag ein typisch britisches Essen, bzw. Süßigkeit probieren durfte – teils sehr interessant, aber auch oft sehr lecker.

Ich habe mich während meines gesamten Aufenthalts äußerst willkommen und gut aufgehoben gefühlt. Die Hospitation bei der Lincolnshire Police war sowohl fachlich als auch persönlich eine sehr bereichernde Erfahrung, für die ich außerordentlich dankbar bin.