International Police Association – Deutschland

Wenn Algorithmen ermitteln – und der Rechtsstaat mitdenkt

Ein internationales Seminar zu Big Data in der Polizeiarbeit am IBZ Schloss Gimborn

Wie verändern Big Data und moderne Analyseplattformen die tägliche Polizeiarbeit? Welche Chancen eröffnen sie — und wo liegen ihre rechtlichen, ethischen und gesellschaftlichen Grenzen?

Diesen Fragen widmete sich im November ein fünftägiges internationales Seminar am IBZ Schloss Gimborn unter dem Titel „Der Einsatz von Big-Data-Tools in der Polizeiarbeit – Chancen, Risiken und rechtliche Grenzen“. Fachleute aus Wissenschaft, Polizei und Verwaltung sowie internationale Teilnehmende kamen zusammen, um über die Zukunft datenbasierter Polizeiarbeit zu diskutieren.

Unter der Leitung von Staatssekretär a. D. Jürgen Mathies und Ulrike Neuhoff (IBZ Schloss Gimborn) wurde Schloss Gimborn zu einem Ort intensiven fachlichen Austauschs — zwischen operativen Anforderungen, technologischen Möglichkeiten und rechtsstaatlicher Verantwortung.

Den wissenschaftlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. Marc Schuilenburg (Erasmus University Rotterdam). Er machte deutlich, dass datenbasierte Polizeiarbeit keine rein technische Frage ist, sondern eine gesellschaftliche: Datenqualität, klare Zieldefinitionen und interdisziplinäre Reflexion seien entscheidend, damit Technologie den Rechtsstaat stärkt — und nicht unterläuft.

Die Perspektive aus der polizeilichen Praxis brachten unter anderem Ingo Wünsch (Direktor LKA NRW), Juliane Stieg (LKA Hessen) sowie Fachvertreterinnen und Fachvertreter aus dem LKA Bayern ein. Sie gaben Einblicke in den Einsatz von Analyseplattformen wie hessenDATA, DAR NRW und VeRA Bayern. Deutlich wurde: Diese Systeme sammeln keine neuen Daten, sondern verknüpfen und visualisieren rechtmäßig erhobene Informationen — etwa zur Bekämpfung von Terrorismus, organisierter Kriminalität oder komplexen Finanz- und Missbrauchsdelikten.

Zugleich wurde offen über Grenzen gesprochen: über rechtliche Rahmenbedingungen, Zugriffsbeschränkungen, Kontrollmechanismen und die Notwendigkeit, technische Möglichkeiten stets kritisch zu begleiten. Künstliche Intelligenz im Sinne selbstlernender Systeme wird derzeit bewusst nicht eingesetzt; es handelt sich um regelbasierte, kontrollierbare Werkzeuge.

Einen besonderen Mehrwert brachte Karl-Heinz Reinstädt, ehemaliger Leiter des Hessischen Polizeipräsidiums für Technik, ein. Als Seminarteilnehmer ergänzte er die Diskussion mit Erfahrungen aus Ausschreibung, Einführung und operativem Einsatz solcher Systeme — und bereitete damit fachlich fundiert auf den Besuch des Innovation Hubs der Polizei Hessen in Frankfurt vor. Dort wurde sichtbar, wie eng Technik, Analyse und Ermittlungsarbeit heute verzahnt sind.

Weitere Impulse lieferten Beiträge zur evidenzbasierten Polizeiarbeit sowie ein europäischer Blick auf datenbasierte Sicherheitsarchitektur, insbesondere im Kontext von Grenzschutz und Migration.


Fazit
Das Seminar zeigte eindrucksvoll: Der digitale Wandel in der Polizeiarbeit ist kein Selbstzweck. Er braucht Regeln, Transparenz, Kontrolle — und vor allem Räume für Dialog, Reflexion und fachlichen Austausch.

Genau hier leisten Institutionen wie das IBZ Schloss Gimborn und Netzwerke wie die International Police Association (IPA) einen wichtigen Beitrag: Sie schaffen Orte, an denen Praxis, Wissenschaft und Politik auf Augenhöhe zusammenkommen, Erfahrungen geteilt, Perspektiven erweitert und neue Entwicklungen frühzeitig kritisch eingeordnet werden können — national wie international.

Solche Foren sind unverzichtbar, um technologische Innovation mit rechtsstaatlicher Verantwortung zu verbinden und den digitalen Wandel in der Sicherheitsarchitektur nicht nur effizient, sondern auch legitim und gesellschaftlich tragfähig zu gestalten.

Oder anders gesagt: Die Zukunft der Polizeiarbeit wird nicht nur digital. Sie wird — im besten Fall — zugleich rechtsstaatlich, verantwortungsvoll und transparent gestaltet.