International Police Association – Deutschland

Zwei Wochen Island – Polizei hautnah erleben


Mein Name ist Alexander und ich hatte erstmalig die Gelegenheit, im Rahmen des Hauptpraktikums unsere isländischen Kolleginnen und Kollegen zu besuchen. Meine Reise begann am 06.01.2026 und nach einer Umbuchung und neun Stunden später habe ich die Hauptstadt Islands erreicht. Dort wurde ich bereits von Maria herzlich empfangen und zum Hotel gebracht.

Grundlegende Fakten

Mit schätzungsweise ca. 400.000 Einwohnern und ca. 3,9 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Island der am dünnsten besiedelte Staat in Europa. Ein eigenständiges Militär besitzt der Inselstaat nicht. Die Hauptstadtregion rund um Reykjavik umfasst fast 50 % der gesamten Bevölkerung. Dementsprechend ist Island für die weitreichende Vulkanlandschaft und Natur weltweit bekannt und ein beliebtes Touristenziel. Die Polizei ist mit rund 800 Polizeibeamten sehr klein. Um dennoch professionell die Einsätze bewerkstelligen zu können, ist Island in insgesamt neun Distrikte unterteilt. Eine Trennung zwischen der Bundes- und Landespolizei gibt es hier nicht.

Ein Polizeibeamter hat aktuellen Berechnungen zufolge die „Verantwortung“ für knapp 450 Personen.

06.01.–09.01.2026, Vorstellung Police Departments und unterstützende Behörden

Am nächsten Tag ging es morgens auch schon los, und mir wurden im Verlauf der ersten Tage die vier Polizeireviere der Hauptstadt vorgestellt. Alle waren sehr offen und haben mir ihre Einrichtungen präsentiert. Neben den vielen neuen und tollen Eindrücken der isländischen Natur war ich von der Anzahl der tätigen Polizeibeamten überrascht. Insgesamt arbeiten nur knapp über 800 Personen für die isländische Polizei. Für die Professionalität und Aufgabenerfüllung stellt das aber kein Hindernis dar, wie ich in den nächsten 14 Tagen feststellen sollte.

Darüber hinaus bekam ich Einblicke in die isländische Form des FLZ. Auch hier werden nahezu identisch zu unserem Führungs- und Lagezentrum die Einsätze an die Streifen zugeteilt – mit dem Unterschied, dass ein FLZ die Einsätze im gesamten Land zuweisen muss. Vor allem die zentrale Nutzung von Drohnen gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und hat bereits 2024 bei einem Vulkanausbruch in Grindavík weitreichende Folgen für die Bewohner verhindern können. An modernen Einsatzmitteln scheint es in Island nicht zu mangeln.

Neben dem Streifendienst und der Kriminalpolizei arbeitet die Polizei eng mit vielen weiteren Verbänden zusammen. Darunter auch die Küstenwache Islands, die ich am 09.01. besuchen durfte. Vor Ort wurden mir alle zur Verfügung stehenden Einsatzmittel gezeigt und deren Aufgaben erläutert. Neben Grenzkontrollen unterstützt die Küstenwache zum Beispiel bei Vermisstenfällen die zuständige Polizei, um auch hier eine vollumfassende Absuche zu garantieren.

10.01.–14.01.2026, Vorstellung „Viking Kommando“, Streifendienst

Am 10. Januar war es dann soweit, und ich durfte nach einem Besuch bei der isländischen Spezialeinheit „Viking Kommando“ auf mein erstes Ride-Along. Die Nachtschicht begann um 19 Uhr auf der „Main Station“. Vergleichbar mit den Innenstadtrevieren in Deutschland herrscht dort die höchste Personalbesetzung. Auch wenn Island gerade einmal über 400.000 Einwohner zählt, suchen viele in den Abendstunden die zahlreichen Bars auf. Und ja, auch hier sind Streitigkeiten vorprogrammiert.

Die erste Schicht endete um 5 Uhr am Morgen wie im Flug, da entgegen meiner Erwartungen auch in Island alle Hände voll zu tun sind. Der Erfassung der Fälle kann aber auch hier nicht entgangen werden.
Den anschließenden freien Tag habe ich mit einer Erkundungstour durch die Hauptstadt verbracht. Auch als Tourist weiß man gar nicht, wo man zuerst hinfahren soll, da die Hauptstadt so viele schöne Orte mit sich bringt.
Die darauffolgenden Schichten verliefen sehr ruhig, was mir die Zeit gab, mehr über unsere Kollegen zu erfahren und natürlich auch von unserem Alltag in Deutschland zu erzählen.

Wenn etwas passiert, dann aber richtig. Auf einer Streifenfahrt auf der 4. Station in Vinland brannte eine Fabrik. Binnen weniger Minuten waren wir vor Ort, und jeder wusste sofort, was zu tun ist. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr konnte der Brand innerhalb weniger Stunden gelöscht werden.

Am Tag darauf folgte eine Verfolgungsfahrt durch die Straßen Reykjaviks. Da kann keiner sagen, in Island würde man nichts erleben können. Die Verfolgung endete mit einem verunfallten Fluchtfahrzeug und einer gut koordinierten Festnahme. Zum Glück wurde niemand verletzt.

15.01.2026, Selfoss Police Department

Die Landschaft Reykjaviks darf natürlich auch nicht fehlen, und ich konnte sie bei einem Ride-Along in dem kleinen Ort Selfoss bestaunen. Das Revier ist für den größten Bereich Islands zuständig und fordert die Polizeibeamten, aber auch die Feuerwehr unter anderem durch lange Anfahrtswege heraus. Neben der Zeit spielen im Winter auch die eisigen Temperaturen und die damit verbundenen gefrorenen Straßen gegen die Polizei. Neben einer Vielzahl an Verkehrsunfällen muss bei Einsatzfahrten ein besonderes Maß an Vorsicht gelten, um nicht selbst von der Straße abzukommen.

Dass auch in Island die Zusammenarbeit zwischen Streifendienst und Kriminalpolizei funktioniert, wurde mir anhand eines aktuellen Mordfalls nähergebracht. Die professionelle Ermittlung führte zur Ergreifung der mutmaßlichen Täter. Da es sich auch hier um laufende Ermittlungen handelt, kann ich nicht tiefer auf die interessanten Erkenntnisse eingehen.

19.01.2026, Polizeischule in Reykjavik

Nach einem letzten freien Wochenende, um die Natur Islands zu erkunden, wurde ich in die Polizeischule eingeladen. Der große Unterschied hier: Lediglich um die 50 Personen beginnen jedes Jahr dort die zweijährige Ausbildung. Ob man im Streifendienst bleibt oder ein „Detective“ werden will, entscheiden unsere Kolleginnen und Kollegen erst nach der Ausbildung. Meiner Meinung nach keine schlechte Methode, da man auf diese Weise den Polizeiberuf erst richtig kennenlernt, bevor man vor der großen Entscheidung steht.

Neben den produktiven Gesprächen wurde mir die Ausbildungsstätte gezeigt, und ich bekam die Möglichkeit, die Effektivität des Tasers an mir testen zu lassen. Ich persönlich kann jetzt sagen: Der Taser erfüllt seinen Zweck, um einen Störer handlungsunfähig zu machen.

Nach zwei Wochen voller neuer Erfahrungen und Gespräche kann ich sagen, dass unsere isländischen Kolleginnen und Kollegen ähnlich zu unserer Polizei arbeiten. Entgegen unserem 5‑Schicht‑System wird dort im Poolmodell gearbeitet. Genauso wie dort gibt es auch bei uns Befürworter und Kritiker. Was haltet ihr davon, eure Schichten frei wählen zu können?

Abschluss

Der größte Unterschied zu Deutschland besteht darin, dass die Schusswaffe hier nicht am Mann bzw. an der Frau getragen wird, sondern im Fahrzeug verschlossen bereitliegt. Bei entsprechender Einsatzlage kann die Waffe dann aber angelegt werden.

Die Beamten, mit denen ich sprechen konnte, hoffen auf eine baldige Änderung, die Schusswaffe permanent am Körper tragen zu dürfen. Denn auch hier in Island nehmen deren Ansicht nach Gewaltdelikte zu, was die Einsätze zunehmend gefährlicher gestaltet.

Um diesen Bericht mit etwas Positivem zu beenden: Island freut sich auch in Zukunft, deutsche Polizeibeamte begrüßen zu dürfen und deren Polizeiarbeit genauer vorzustellen, aber auch Freundschaften abseits des Berufes zu knüpfen.

Ich bedanke mich zum einen bei der IPA Deutschland, die im engen Austausch mit der isländischen Polizei stand, vor allem aber bei der IPA Section Island und Herrn Baldur. Nur durch deren Bereitschaft und Engagement, mich für zwei Wochen aufzunehmen, konnte diese Hospitation stattfinden.