Vom 18. bis 25. August fand zum zweiten Mal das von der IPA Flensburg organisierte, internationale Polizeisymposium „Flensburg on Patrol“ statt. 18 Polizistinnen und Polizisten aus Belgien, Dänemark, Finnland, Island, Japan, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten waren eine Woche lang zu Gast bei der Polizeidirektion Flensburg. Dabei lernten sie nicht nur die Polizeiarbeit in Schleswig-Holstein kennen – sie wurden selbst ein Teil davon.
Manchmal beginnt eine besondere Geschichte mit einem kleinen Problem.
Bei Flensburg on Patrol 2023 war es das Gepäck unseres walisischen Teilnehmers, das nicht gemeinsam mit ihm in Flensburg angekommen war. 2026 traf es unsere isländischen Gäste: Ihre Koffer fehlten.
Vielleicht gehört das inzwischen einfach dazu: Die Koffer kommen zu spät – die Freundschaften dafür umso schneller.
Als wir am 18. August die ersten Gäste begrüßten, lagen acht intensive Tage vor uns. Der Plan stand: Termine, Fahrten, Besichtigungen, Einsatztraining und natürlich der eine oder andere Plan B. Was sich nicht planen ließ, waren die Begegnungen zwischen 18 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten aus elf Ländern – mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Polizeisystemen und Erfahrungen.
Schon nach kurzer Zeit fühlte es sich nicht mehr nach elf Nationen an. Es fühlte sich nach einer Gruppe an.
Einsatztraining und Bereitschaftspolizei in Eutin
Am Mittwoch ging es zur Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei nach Eutin. Nach einer Führung durch das Einsatztrainingszentrum wurde es praktisch: Bei einem Einsatztraining zum Thema Messerangriffe und Messerabwehr in der Nahdistanz konnten unsere internationalen Kollegen selbst aktiv werden. Begleitet wurde das Training auch von Kamerateams von RTL und Sat 1.
Am Nachmittag präsentierte sich die Bereitschaftspolizei. Unter anderem demonstrierte die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) ihr taktisches Vorgehen beim Betreten von Wohnungen.
Ein besonderes Highlight wartete zum Abschluss: Jeder Teilnehmer bekam die Möglichkeit, selbst einmal einen Wasserwerfer zu steuern.
Offizielle Eröffnung und gelebte Zusammenarbeit
Am Donnerstag wurde „Flensburg on Patrol 2026“ offiziell im Ratssaal des Flensburger Rathauses eröffnet. Nach einem Grußwort von Stadtpräsidentin Susanne Schäfer-Quäck und einer Videobotschaft von Innenministerin Magdalena Finke eröffnete Behördenleiter Olaf Schulz das internationale Symposium offiziell. Beim anschließenden Gruppenfoto, einem kleinen Imbiss und ersten Gesprächen gab es Gelegenheit zum Austausch mit den geladenen Gästen.
Anschließend ging es über die Grenze in das Gemeinsame Zentrum Padborg. Broder Busse, Leiter des landespolizeilichen Teils des GZ, stellte die Arbeit des Zentrums vor, in dem Landespolizei, Bundespolizei, Zoll und dänische Polizei eng zusammenarbeiten.
Besonderes Interesse weckte die Vorstellung der automatisierten Kennzeichenerkennung ANPG. Kennzeichen können automatisiert erfasst und mit polizeilichen Informationen abgeglichen werden. Gerade solche technischen und rechtlichen Unterschiede zwischen den Ländern sorgten während der gesamten Woche immer wieder für spannende Diskussionen.
Am Nachmittag wartete das traditionelle Hoffest. Bei mehr als 300 Gästen ergaben sich zahlreiche Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen sowie IPA-Freunden aus nah und fern. Nach den offiziellen Programmpunkten bot gerade dieser ungezwungene Austausch eine hervorragende Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen.
Einsatzsteuerung und Flensburger Geschichte
Nach einem langen Hoffest begann das Programm am Freitag erst mittags mit dem Besuch der Kooperativen Regionalleitstelle Nord in Harrislee. Dort erhielten unsere Gäste einen Einblick in die Arbeit der Leitstelle und die Koordination von Einsatzlagen.
Besonders beeindruckt zeigten sich viele Teilnehmer von der engen Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst innerhalb einer kooperativen Leitstelle – ein Modell, das in dieser Form längst nicht in allen Herkunftsländern unserer Gäste existiert.
Anschließend ging es zu Fuß durch Flensburg. Neben der Innenstadt stand insbesondere die besondere deutsch-dänische Geschichte der Grenzregion im Mittelpunkt. Auch das heutige Polizeigebäude spielte dabei eine Rolle: Seine historische Bedeutung im Zusammenhang mit der heutigen Grenzziehung zwischen Deutschland und Dänemark sowie dem Ende des Zweiten Weltkriegs sorgte für reichlich Gesprächsstoff.
Gemeinsam auf Streife
Am Samstag wurde aus internationalem Erfahrungsaustausch ganz praktische Polizeiarbeit:
Für die Fußstreife wurden vier Teams gebildet. Gemeinsam mit jeweils zwei deutschen Kollegen – von der Polizeistation Mitte, dem 1. Polizeirevier und aus dem Stab der Polizeidirektion – waren unsere internationalen Gäste in der Flensburger Innenstadt und am Hafen unterwegs.
Eine der Gruppen wurde dabei vom NDR begleitet. Gerade am gut besuchten Hafen sorgten die vielen unterschiedlichen Polizeiuniformen für Aufmerksamkeit. Neugierige Blicke, gemeinsame Fotos und viele freundliche Reaktionen begleiteten die Teams auf ihrem Weg durch Flensburg.
Am Abend wechselte die Perspektive: Gemeinsam mit dem Polizei-Autobahn- und Bezirksrevier standen zunächst stationäre Verkehrskontrollen an wichtigen Flensburger Ausfallstraßen auf dem Programm. Später wurde jeder internationale Gast einem Streifenwagen zugeteilt.
Und genau dort entstand der Austausch, den wir uns für Flensburg on Patrol gewünscht hatten: Gemeinsam Streife fahren, Situationen erleben und unmittelbar darüber sprechen, wie Polizeiarbeit im jeweils anderen Land funktioniert.
Dass Polizeiarbeit selten nach Zeitplan verläuft, zeigte sich noch in derselben Nacht. Bei der Kontrolle eines Fahrzeugs machte einer unserer internationalen Gäste verdächtige Beobachtungen. Die weiteren polizeilichen Maßnahmen führten zum Auffinden von Betäubungsmitteln und schließlich zu einer Wohnungsdurchsuchung.
Aus einem geplanten Programmpunkt wurde echte Polizeiarbeit – und aus dem geplanten Dienstende eine Verlängerung bis weit nach 03:00 Uhr.
Leben in der Lage – international.
Flensburg aus einer anderen Perspektive
Nach der langen Nacht wartete am Sonntag ein Perspektivwechsel: Vom Flugplatz Schäferhaus aus wurde jedem unserer internationalen Gäste ein kurzer Rundflug über Flensburg ermöglicht.
Dabei konnten sie auch die Marineschule Mürwik, in der sie während der Woche untergebracht waren, einmal von oben betrachten.
Die Wartezeit am Boden wurde natürlich ebenfalls genutzt: Patches und Coins wechselten ihre Besitzer und die Gespräche der vergangenen Tage wurden fortgesetzt.
Für ein ungeplantes zusätzliches Highlight sorgte die Bundespolizei: Ein Hubschrauber landete nach einem Grenzpatrouillenflug auf dem Flugplatz. Schnell entwickelten sich spannende Gespräche zwischen der Besatzung und unseren internationalen Gästen über die Arbeit aus der Luft und die Besonderheiten der Grenzregion.
Polizeiarbeit auf dem Wasser
Am Montag führte uns der Weg schließlich nach Kiel zur Wasserschutzpolizei: Dort erhielten die Teilnehmer zunächst einen Einblick in deren vielfältige Aufgaben und die Zusammenarbeit mit benachbarten Behörden und Partnern.
Danach wurde aus der Theorie wieder Praxis. Mit dem Küstenstreifenboot „Falshöft“ und dem schnellen Streifenboot „Sprotte“ ging es hinaus aufs Wasser.
Für unsere Gäste bot sich damit noch einmal die Möglichkeit, einen ganz anderen Bereich der Polizeiarbeit unmittelbar zu erleben. Begleitet wurde der Besuch vom Social-Media-Team der Landespolizei, das die Erlebnisse auf und neben dem Wasser festhielt.
Das Entscheidende passierte dazwischen
All diese Programmpunkte waren wichtig. Schließlich wollten wir unseren Gästen zeigen, wie die Polizei in Schleswig-Holstein arbeitet, wie wir ausbilden, Einsätze steuern, grenzüberschreitend zusammenarbeiten und unseren täglichen Dienst versehen.
Doch irgendwann haben wir als Organisatoren gemerkt: Das Programm war der Rahmen. Das Entscheidende passierte dazwischen.
Es waren die Gespräche in den Streifenwagen und auf den gemeinsamen Fahrten. Die Diskussionen darüber, wie unterschiedlich Polizeiarbeit sein kann – und wie ähnlich die Herausforderungen trotzdem sind. Es waren gemeinsame Mahlzeiten, lange Abende, Patches und Coins, Geschichten aus elf Ländern und jede Menge gemeinsames Lachen.
Irgendwann waren wir nicht mehr Gastgeber und Gäste.
Wir waren einfach Kollegen.
Und aus Kollegen wurden Freunde.
Ein Blick über den eigenen Tellerrand
Unsere Gäste haben uns dabei nicht nur kennengelernt. Sie haben uns auch einen Spiegel vorgehalten.
Wir haben gesehen, was bei uns gut funktioniert – aber auch, welche Möglichkeiten Polizei in anderen Ländern bereits nutzt. Automatisierte Kennzeichenerkennung, moderne Videoüberwachung oder intuitivere digitale Arbeitsplätze waren nur einige der Themen, über die intensiv diskutiert wurde.
Dabei geht es nicht darum zu sagen: „Die anderen machen alles besser.“ Vielmehr geht es um die Frage: Was können wir voneinander lernen – und was können wir innerhalb unserer eigenen rechtlichen und verfassungsrechtlichen Grenzen besser machen?
Genau darin liegt ein wesentlicher Wert internationaler Polizeizusammenarbeit.
Aus Gästen wurden Freunde
Am Montagabend endete Flensburg on Patrol mit einem gemeinsamen Abschlussessen in Hansens Brauerei. Bei leckerem Essen, vielen Gesprächen und dem einen oder anderen Bier ließen wir die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren.
In seiner Abschlussrede blickte Jan Krüger, Leiter der IPA-Verbindungsstelle Flensburg und Mitorganisator von Flensburg on Patrol, auf eine Woche zurück, die weit mehr geworden war als ein internationaler Erfahrungsaustausch.
Und bei aller Freude war an diesem Abend auch etwas Wehmut zu spüren. Denn am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen.
Wir hatten 18 Kollegen aus elf Ländern eingeladen.
Wir verabschiedeten Freunde.
Ohne Unterstützung geht es nicht
Eine solche Woche wäre ohne die Unterstützung vieler Kolleginnen und Kollegen nicht möglich gewesen.
Unser Dank gilt deshalb allen beteiligten Dienststellen und Behörden, die ihre Türen geöffnet, ihre Arbeit vorgestellt und unsere Gäste ganz selbstverständlich aufgenommen haben – von der PD AFB über das Gemeinsame Zentrum Padborg, die KRLS, dem 1. und 2. Polizeirevier und dem PABR bis zur Wasserschutzpolizei.
Ebenso danken wir allen, die Fahrzeuge organisiert, unsere Gäste gefahren, für Verpflegung gesorgt, Rundflüge ermöglicht, Termine koordiniert und im Hintergrund immer wieder spontan Lösungen gefunden haben.
Viele dieser Helfer standen nie im Mittelpunkt und waren nicht auf jedem Foto zu sehen. Aber sie waren da, wenn etwas organisiert, vorbereitet oder kurzfristig gelöst werden musste.
Genau das verkörpert den Gedanken, der im Mittelpunkt der International Police Association steht:
Servo per Amikeco – Dienen durch Freundschaft.
Flensburg on Patrol dauerte acht Tage. Die Erinnerungen und Freundschaften werden hoffentlich sehr viel länger bleiben.
Und vielleicht sehen wir uns schon bald wieder – irgendwo in Belgien, Dänemark, Finnland, Island, Japan, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden, dem Vereinigten Königreich oder den Vereinigten Staaten.
Oder wieder hier bei uns in Flensburg.
Text: Tore Hagedorn & Jan Krüger
Fotos: Teilnehmer Flensburg on Patrol